Warum dürfen Soldaten nicht wählen?
Irrglaube: Französische Militärs wählen tatsächlich!
✅ Wussten Sie das?
Seit der Verordnung vom 17. August 1945 genießen die französischen Militärs das volle Wahlrecht. Die Frage „Warum dürfen Militärs nicht wählen?“ beruht auf einem hartnäckigen Irrglauben. Tatsächlich konnten sie vor 1872 wählen, von 1872 bis 1945 durften sie nicht wählen, und seit 80 Jahren dürfen sie wieder wählen.
Warum dürfen Militärs nicht wählen? Das ist ein weit verbreiteter Irrglaube, aber er ist im Jahr 2025 falsch. Französische Militärangehörige wählen seit 1945 frei, wie jeder andere Bürger auch. Die Verwirrung rührt von einer langen Phase der französischen Geschichte her – 73 Jahre, in denen den Soldaten tatsächlich das Wahlrecht entzogen wurde, was dem Militär den Spitznamen „Große Stille“ einbrachte.
Um dieses faszinierende Thema zu verstehen, muss man bis zur Französischen Revolution zurückgehen und zwei Jahrhunderte bewegter politischer Geschichte durchqueren. Dieser umfassende Leitfaden erklärt Ihnen alles: warum die Militärs das Wahlrecht verloren, wie lange, und warum sie es heute vollständig besitzen.

Der Soldat-Bürger: Entstehung eines Rechts während der Revolution (1792)
Die Französische Revolution gibt dem Konzept des „Soldaten-Bürgers“ seinen Ursprung. Vor 1789 bestand die Armee des Ancien Régime aus Söldnern und Berufssoldaten, die keine besonderen Bürgerrechte hatten. Die Revolution durchbricht dieses Modell, indem sie feststellt, dass jeder Bürger die Pflicht hat, das Vaterland zu verteidigen, und dass jeder Verteidiger des Vaterlands ein vollwertiger Bürger ist.
Im Jahr 1792 erhalten die Militärs erstmals das Wahlrecht, ein Novum in der Geschichte Frankreichs. Dieses Prinzip des Soldaten-Bürgers erreicht seinen Höhepunkt bei den revolutionären und napoleonischen Armeen, in denen der einfache Soldat theoretisch aufgrund seiner Verdienste Marschall von Frankreich werden kann.
Das Cissey-Gesetz von 1872: Warum die Militärs das Wahlrecht verloren
Die Wende erfolgt am 27. Juli 1872 unter der entstehenden Dritten Republik. Das Cissey-Gesetz formuliert in seinem Artikel 1 eine knappe Bestimmung: „Die anwesenden Männer im Korps nehmen an keiner Abstimmung teil.“ Von einem Tag auf den anderen werden Hunderttausende Soldaten ihres Wahlrechts beraubt.
Die politischen Gründe hinter dem Cissey-Gesetz
Diese Entscheidung ist nicht unbedeutend. Sie erklärt sich durch einen sehr angespannten politischen Kontext. Die Republikaner, die die Dritte Republik gründen, haben nicht vergessen, dass es dank der Unterstützung des Militärs war, dass Louis-Napoléon Bonaparte seinen Staatsstreich am 2. Dezember 1851 erfolgreich durchführen konnte. Für sie ist das Militär ein verdächtiges Wählerklientel, potenziell bonapartistisch oder monarchistisch. Indem sie den Militärangehörigen das Wahlrecht entziehen, sichern sich die Republikaner die politische Neutralität der militärischen Institution und eliminieren einen Wählerblock, dessen Ausrichtung sie nicht kontrollieren.
Die Entstehung der „Großen Schweiger“
Dieser bürgerliche Ausschluss führte zur Bezeichnung „Große Schweiger“ für die französische Armee. Schweigsam an den Wahlurnen und einer strengen Zurückhaltungspflicht unterworfen, wurde die Armee zu einer Institution außerhalb des politischen Feldes. Die Gesetze von 1889, 1905 und 1928 bestätigten diesen Ausschluss, der zwei Weltkriege überdauerte, ohne infrage gestellt zu werden – auch nach dem Ersten Weltkrieg, in dem Berufssoldaten ihre Treue zur Republik eindrucksvoll bewiesen hatten.

Chronologie: Das Wahlrecht der Soldaten in Frankreich
Hier die vollständige Zusammenfassung der Entwicklung des Wahlrechts der französischen Soldaten von der Revolution bis heute.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 1792 | Französische Revolution: Soldaten erhalten das Wahlrecht – Geburt des „Soldaten-Bürgers“ |
| 1849 | Nach einer kurzen Unterbrechung erhalten Soldaten unter der Zweiten Republik das Wahlrecht zurück |
| 27. Juli 1872 | Cissey-Gesetz: Abschaffung des Wahlrechts für Soldaten – Entstehung der „Großen Schweiger“ |
| 1889, 1905, 1928 | Aufeinanderfolgende Gesetze bestätigen den Ausschluss der Soldaten vom allgemeinen Wahlrecht |
| 17. August 1945 | Verordnung zur Wiederherstellung des Wahlrechts für Berufssoldaten – Ende der „Großen Schweiger“ |
| 13. Juli 1972 | Allgemeiner Status der Soldaten: Recht, sich für öffentliche Wahlämter zu bewerben |
| Heute | Soldaten wählen frei, unterliegen aber einer strengen politischen Zurückhaltungspflicht |
Quellen: Wikipedia – Wahlrecht in Frankreich | Verordnung vom 17. August 1945 | Verteidigungsgesetzbuch.
1945: Die Rückkehr des Wahlrechts – Ende der „Großen Schweiger“
Die Verordnung vom 17. August 1945, die ein Jahr nach dem Frauenwahlrecht erlassen wurde, stellt den Berufssoldaten ihr volles Bürgerrecht wieder her. Damit gehören Soldaten zu den letzten französischen Bürgern, die nach 73 Jahren Ausschluss das Wahlrecht erhielten.
Ironie der Geschichte: Ausgerechnet die Soldaten, die Frankreich 1944-1945 befreit hatten, wurden unmittelbar nach der Befreiung vom Wahlrecht ausgeschlossen, das sie gerade für alle anderen Franzosen wiederhergestellt hatten.

Die aktuelle Situation: Soldaten wählen, aber mit Einschränkungen
Seit 1945 wählen französische Soldaten frei wie jeder andere Bürger. Ihr besonderer Status bringt jedoch politische Einschränkungen mit sich, die vielleicht die anhaltende Verwirrung erklären.
Die Pflicht zur Zurückhaltung: eine auferlegte politische Neutralität
Artikel L4121-3 des Verteidigungsgesetzbuchs ist eindeutig: Es ist aktiven Soldaten verboten, politischen Gruppen oder Vereinigungen beizutreten. Dieses Verbot betrifft nicht das Wahlrecht, das absolut bleibt, sondern das politische Engagement als Aktivist. Ein Soldat kann für wen er will wählen, aber er darf nicht öffentlich für eine Partei werben oder seine politischen Ansichten in Uniform zeigen.
Können sie sich für Wahlen aufstellen lassen?
Ja, seit dem Gesetz vom 13. Juli 1972. Soldaten können sich für jedes öffentliche Amt zur Wahl stellen. Werden sie gewählt, werden sie für die Dauer ihres Mandats beurlaubt. In der Praxis ist dies selten, da dies den Verlust militärischer Einkünfte bedeutet, die durch das Mandat nicht immer ausreichend ausgeglichen werden.
FAQ: Die am häufigsten gestellten Fragen
Darf ein Soldat für die extreme Rechte oder die extreme Linke stimmen?
Das Wahlrecht ist in Frankreich geheim und frei, auch für Soldaten. Ein Soldat kann für jede Partei oder jeden Kandidaten stimmen, ohne dass dies seinen Arbeitgeber etwas angeht. Was er nicht darf, ist während seines aktiven Dienstes einer Partei beizutreten oder öffentlich für eine politische Bewegung zu werben. Die Wahl bleibt eine strikt private und geschützte Handlung.
Kann ein Soldat im OPEX aus dem Ausland wählen?
Ja. Soldaten im Auslandseinsatz (OPEX) können per Vollmacht oder in bestimmten Fällen elektronisch wählen. Spezielle Regelungen im Wahlgesetz ermöglichen es Soldaten, die im Ausland stationiert sind, ihr Wahlrecht bei französischen Wahlen auszuüben.
Warum sagt man noch immer, dass Soldaten nicht wählen dürfen?
Diese Fehlvorstellung hält sich aus zwei Gründen. Erstens dauerte die Periode von 1872 bis 1945 73 Jahre – lange genug, um das Bild der „Grande Muette“ tief im kollektiven Gedächtnis zu verankern. Zweitens werden die heutigen politischen Einschränkungen (Verbot von Aktivismus, Zurückhaltungspflicht) manchmal mit einem Wahlverbot verwechselt, was nicht der Fall ist.

Fazit
Warum dürfen Soldaten nicht wählen? Die Antwort ist einfach: Sie dürfen wählen, und das seit 1945. Was jedoch stimmt, ist, dass ihnen dieses Recht während 73 Jahren von 1872 bis 1945 unter der Dritten Republik verweigert wurde, die den politischen Einfluss des Militärs fürchtete. Das Gesetz Cissey von 1872 und der Spitzname „Grande Muette“ zeugen von dieser langen demokratischen Auszeit. Heute dürfen Soldaten frei wählen, unterliegen aber einer strengen politischen Zurückhaltungspflicht, die jeglichen öffentlichen Aktivismus verbietet.
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